Zeitenwanderer
(9. August 1994)
Zeitenwanderer sind wir,
gehen von der Vergangenheit in die Zukunft
und bleiben doch immer in der Gegenwart.
Wenn du die Vergangenheit betrachtest,
dann tue dies ohne Bedauern,
ohne den grauen Mantel des Grams,
ohne den verblaßten Hut der Sehnsucht.
Zeitenwanderer sind wir.
Unser Blick muß nach vorne gerichtet sein.
Drehst du dich um und verharrst zu lange,
wird dein Herz zum Gefangenen der Zeit,
bewegungslos und sehnsuchtsvoll
wie ein Insekt im lähmenden Honig des Bernsteins.
Zeitenwanderer sind wir,
stets im Aufbruch,
ohne jede Möglichkeit zur Umkehr.
Wenn Du die Vergangenheit betrachtest,
laß dich von ihren Bildern erfreuen oder schrecken,
aber dein Herz muß der Gegenwart gehören
und deine Sehnsucht der Zukunft.
Zeitenwanderer sind wir,
der Veränderung unterworfen,
dem Sturm des Ungewissen ausgeliefert,
gewappnet mit der Möglichkeit des Wachsens.
Zeitenwanderer sind wir,
gehen von der Vergangenheit in die Zukunft,
und doch -
und doch sind Anfang und Ende eins,
beschreibt unser Leben einen nie endenden Kreis.
(21. August 1994)
Wenn du gehst,
dann gehe nicht ohne meinen Segen,
gehe nicht ohne den Schutz
von Sonne und Mond.
Ich werde ihre Liebe auf dich herabrufen,
damit sie über dich wachen,
damit sie dir scheinen
und deinen Weg erhellen.
Wenn du gehst,
dann gehe nicht ohne meinen Stein,
gehe nicht ohne meine Liebe,
von der dir der Stein erzählen wird,
wann immer du ihn in deiner Hand wärmst.
Wenn du gehst,
dann gehe mit meinem Segen und meiner Liebe,
damit wir uns wiederfinden
in der Welt von morgen.
Steine
(13. September 1994)
Steine sind weise.
Älter als du,
in Urzeiten erschaffen.
Steine
erzählen Geschichten,
die dich Geduld und Ruhe lehren.
Steingeschichten.
Steine
wollen niemals sein,
was sie nicht sind,
denn
sie sind,
was sie sind.
Ruhig,
in unendlichen Kreisen,
öffnen sie dein Herz.
Steine sind weise.