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Geschichten zu erfinden gehörte schon immer zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Wie faszinierend ist es, sich Figuren auszudenken und diese dann nach eigenen Wünschen agieren zu lassen, sich also ein ganz eigenes Kopfkino zu schaffen! Noch viel schöner ist es allerdings, diese Geschichten zu Papier zu bringen und sie damit für immer greifbar zu machen. Daher stürzte ich mich schon mit sieben oder acht Jahren ins Schreiben - zunächst auf losen Blättern mit rosa Tinte und Herzchenfüller, später in schönen Notizbüchern in allen Größen und Farben, und heute schließlich direkt in mein silberfarbenes Laptop (700 handschriftliche Seiten abzutippen ist immerhin kein besonders großer Spaß!)
 
Von einer lyrischen Zwischenphase in der Spätpubertät einmal abgesehen, habe ich immer nur Romane geschrieben, da meine Geschichten stets zur ... ehm ...Breite tendieren. Als ich mich noch im Fantasy-Genre tummelte, wo meine Vorliebe für schwertschwingende Heldinnen zur vollen Entfaltung kommen konnte, begann ich auch zum ersten Mal ernsthaft an Publikation zu denken. Und so beglückte ich deutsche, österreichische und schweizerische Verlage mit meinen Manuskriptvorschlägen - und entwickelte mich im Laufe von fünf Jahren zu einer Expertin in Sachen Absagebriefen. Irgendwann dämmerte mir schließlich, daß es mit meiner so sehr herbeigesehnten Schriftstellerkarriere wohl nichts werden würde: ich schrieb einfach nicht die Art von Geschichten, wie sie deutsche Verlage von deutschen Autoren kauften. Mein großer Traum war ausgeträumt, noch ehe er eigentlich richtig begonnen hatte.
 
Schade das.
 
Nun hätte ich mich natürlich in schreckliche Depressionen stürzen können, aber das wäre einer Schriftstellerkarriere ja auch nicht wirklich förderlich gewesen. Stattdessen probierte ich etwas anderes, denn ich hatte noch eine einzige, kleine Chance: da es auf Deutsch nicht geklappt hatte, konnte ich es ja mal auf Englisch probieren. Und so wechselte ich im Jahr 2000 nicht nur das Genre, sondern auch die Sprache - und was zunächst als völlig hoffnungsloses Unterfangen erschien, stellte sich als die beste Entscheidung meines Lebens heraus. Über das Internet fand ich sehr schnell eine tolle Kritikgruppe, die mir bei meinen ersten wackeligen Schreibversuchen in der Fremdsprache zur Seite stand und mir über Stolperfallen der englischen Sprache hinweghalf. Ein paar Jahre später trat ich dann den Romance Writers of America (RWA) bei, einer internationalen Schriftstellerorganisation für Liebesromanautoren, und nahm mit dem ersten Kapitel meines englischen Romans, STRAIGHT TO THE HEART, an Schreibwettbewerben der Organisation teil. So kam ich schließlich auch an meinen Verlag: Christopher Keeslar, der die letzte Runde in einem solchen Wettbewerb bewertet hatte, ließ sich mein ganzes Manuskript zuschicken. Und ein paar Monate später bekam ich dann DEN Anruf, den einen, den wichtigen, den Anruf aus New York: Dorchester wollte mein Buch kaufen! Aus STRAIGHT TO THE HEART wurde THE LILY BRAND und ist seit Juli 2005 im Buchhandel erhältlich. Und somit ist auch endlich mein Traum, publizierte Schriftstellerin zu werden, Wirklichkeit geworden.
 
Heute wohne ich mit meinen drei Katzen und viel zu vielen Büchern in einem Vorort von Frankfurt am Main, unterrichte englische Literatur an der Universität Mainz und, wenn ich nicht gerade Studenten quäle oder mit Katzen schmuse, schreibe an meinem nächsten Roman.
 
 


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